Kurzanalysen sind wissenschaftliche Einschätzungen, Policy Briefs und evidenzbasierte Handlungsempfehlungen des Produktivitätsrates oder des Büros des Produktivitätsrates zu aktuellen wirtschaftspolitischen Themen, die sich an Entscheidungsträger:innen aus Politik und Wirtschaft, Medienvertreter:innen und die interessierte Öffentlichkeit richten.“
Industriestrategie Österreich 2035: Von der programmatischen Leitlinie zur wirksamen Umsetzungs- und Steuerungsarchitektur
Der strategisch koordinierte industrielle Aufstieg Chinas, die Erfahrungen der Covid-19-Pandemie sowie zunehmende geopolitische Spannungen haben die Bedeutung aktiver Industriepolitik für Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und wirtschaftliche Souveränität deutlich erhöht. Viele Staaten reagieren darauf mit umfassenden Industriestrategien, die strukturellen Wandel gezielt steuern, Innovations- und Investitionsprozesse koordinieren und Transformationspfade absichern sollen. Auch Österreich hat im Jänner 2026 erstmals eine ressortübergreifende Industriestrategie 2035 vorgelegt. Sie definiert sechs strategische Ziele, 117 Maßnahmen sowie technologiepolitische Schwerpunkte.
Die vorliegende Kurzanalyse ordnet dieses Dokument ein und versteht es in seiner aktuellen Fassung primär als programmatisches Grundsatzpapier. Die Maßnahmen bleiben teilweise auf einer allgemeinen Ebene und sind nicht durchgehend als klar operationalisierbare Interventionen mit expliziten Governance-Strukturen, Roadmaps und Finanzierungslogiken ausgestaltet. Auch bei der technologiepolitischen Schwerpunktsetzung besteht Präzisierungsbedarf. Vor diesem Hintergrund wird hier ein strukturierter Vorschlag zur Umsetzung und Weiterentwicklung der Strategie vorgestellt. Im Zentrum stehen die Überführung des Programms in eine verbindliche Umsetzungs- und Steuerungsarchitektur sowie die Etablierung eines wirkungsorientierten Monitorings. Ziel ist es, die strategischen Leitlinien bis 2035 kohärent, transparent und adaptiv auszugestalten und damit die industriepolitische Handlungsfähigkeit nachhaltig zu stärken.
Publikationsjahr: 2026
Energiepreisrisiko und Standortentscheidungen in der österreichischen Industrie
Etwa 75% der Industrieunternehmen in energieintensiven Branchen und über 47% in nicht energieintensiven Branchen bewerten die Entwicklung der Energiepreise als ein erhebliches Risiko für ihr Unternehmen. Das geht aus einer Befragung hervor, die im zweiten Quartal 2025 unter österreichischen Industrieunternehmen durchgeführt wurde. Diese Risikoeinschätzung geht häufig mit einer erhöhten Bereitschaft einher, Unternehmensaktivitäten ins Ausland zu verlagern. Zudem äußern betroffene Unternehmen deutlich häufiger als andere die Absicht, Arbeitsplätze am Standort Österreich abzubauen. Diese Tendenzen sind in energieintensiven Branchen weniger stark ausgeprägt. Sowohl die geplanten Verlagerungen als auch die angestrebten Beschäftigungsreduktionen betreffen überwiegend den Produktionsbereich. Als Hauptgründe für die Verlagerungsabsichten werden vor allem hohe Personal- und Energiekosten genannt – wobei letztere insbesondere von besonders exponierten Unternehmen etwas häufiger angeführt werden.
Kurzanalyse von Manuel Gruber-Német, Andreas Reinstaller, Werner Hölzl (WIFO)
Publikationsjahr: 2025
Veränderte Reaktionen der österreichischen Industrie auf chinesische Konkurrenz
Chinesische Konkurrenz ist von wesentlicher Bedeutung für österreichische Industrieunternehmen. Jedoch legen die Ergebnisse der in Kooperation mit dem Büro des Produktivitätsrates durchgeführten WIFO-Industriebefragung 2025 nahe, dass sich die Effekte chinesischer Konkurrenz auf österreichische Unternehmen in jüngerer Vergangenheit verändert haben. Eine rezente Studie des Büros des Produktivitätsrates zeigt, dass stark von Zuwächsen chinesischer Konkurrenz betroffene österreichische Unternehmen im Zeitraum 2013-2022 nicht intensiver Beschäftigung abbauten oder Verlagerungen von Unternehmensbereichen ins Ausland vollzogen als andere Unternehmen. Demgegenüber geben in der aktuellen Industriebefragung besonders von chinesischer Konkurrenz betroffene Unternehmen wesentlich häufiger an, im Zeitraum 2025-2030 Verlagerungen ins Ausland und einen Abbau von Beschäftigung (insbesondere Produktionsarbeitsplätze) in Österreich zu planen. Die österreichische Industrie scheint somit durch die Konkurrenz aus China am aktuellen Rand stärker unter Druck zu geraten. Im Umgang mit zunehmender chinesischer Konkurrenz streben österreichische Unternehmen vermehrt eine Strategie der Verbreiterung und Aufwertung des eigenen Produktportfolios an.
Kurzanalyse von Manuel Gruber-Német, Werner Hölzl (WIFO), Andreas Reinstaller
Publikationsjahr: 2025
Wirtschafts- und forschungspolitische Prioritäten zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit Österreichs
Gemeinsames Arbeitspapier der Geschäftsstelle des Rates für Forschung, Wissenschaft, Innovation und Technologieentwicklung (FORWIT) und des Büros des Produktivitätsrates
Publikationsjahr: 2025
Treffer oder Lücke? Wo das Regierungsprogramm die Empfehlungen des Produktivitätsrates widerspiegelt
Ein positiver Impuls für Unternehmensgründungen in Österreich
Unternehmens-Energiekostenzuschuss II: Österreich fördert bei derzeit abzusehenden Energiepreisen stärker als Deutschland
Jänner 2023
Publikationsjahr: 2023
Klima- und Transformationsoffensive der österreichischen Bundesregierung. Erste Einschätzung der angekündigten Maßnahmen
4.11.2022, Kurzanalyse des Produktivitätsrates vorbereitet durch die Mitarbeiter:innen des Büros. Freigabe durch die Mitglieder des Produktivitätsrates am 31.10.2022
Publikationsjahr: 2022